Wie Widerstände entstehen – Funktion, Merkmale, versteckte Botschaften

1. Funktionen von Widerstand

  • Widerstände schützen Teams und Organisationen vor Überforderung und unsinnigen Veränderungen. Denn nicht jede Veränderung ist eine Verbesserung.
  • Widerstände schützen also vor vorschneller Vereinnahmung und dienen der Überlebensfähigkeit des „Organismus“. Sie  sind damit die Basis für die Weiterentwicklung und Erneuerung der Organisation. Oder, pragmatisch ausgedrückt: Widerstand kommt vor der Kontakt-Phase. Damit ist die Phase des Widerstands ein Vorstadium auf dem Weg zur Veränderung.
  • Widerstand ist Energie. Ein Veränderungsprozess ohne Widerstand ist gar nicht wünschenswert, denn der Widerstand zeigt zumindest Interesse oder Betroffenheit der Beteiligten.
  • Widerstand gibt Führungskräften Hinweise über die wahren Bedürfnisse der Beteiligten. Widerstand ist auch als „versteckte Botschaft“ zu verstehen.

2. Woran erkennt man Widerstände?

Widerstand - Verhalten bei Widerständen
Quelle: Doppler/Lauterburg 1999, 293-304

3. Widerstand oder berechtigter Einwand?

Doch es ist sauber zu hinterfragen, ob es sich wirklich um Widerstand handelt. Häufig sieht es nur vordergründig danach aus, aber es handelt sich möglicherweise um berechtigte Einwände von Betroffenen und Beteiligten.

a) So erkennen Sie berechtigte Einwände:

  • Berechtigte Einwände reagieren auf Argumente.
  • Diskussionen verändern und entwickeln sich weiter, die vorgebrachten Argumente haben nach einiger Diskussionsdauer Bestand oder nicht.

Wenn sich die „Bedenkenträger“ wirklich mit den Gegenargumenten auseinandersetzen (was nicht zwingend heißt, dass sie ohne weiteres akzeptiert werden), handelt es sich nicht um Widerstand.

b)   So erkennen Sie vorgeschobene Argumente:

  • Themen, die eigentlich schon ausdiskutiert schienen, tauchen wieder und wieder auf.
  • Es werden Grundsatzdiskussionen geführt und Verbündete gesucht
  • Scheinbare Zustimmung ohne Engagement für die Umsetzung („Ja ja, das machen wir schon“)
  • Schuld wird auf bestimmte Personen geschoben, ohne den eigenen Anteil an der Situation zu sehen („Die anderen sind schuld“)
  • Vermeidung des Konflikts („Am besten wir reden über etwas anderes…“)
  • Herunterspielen oder Verneinen eines Konflikts („Wir haben keine Probleme!“)
  • Methoden werden diskutiert statt Inhalte
  • Arbeitsanweisungen werden nicht beachtet
  • Nebensächliches wird endlos besprochen

Wenn Sie sich sicher sind, dass es sich tatsächlich um Widerstand (und nicht um einen berechtigten Einwand) handelt, forschen Sie nach den Ursachen bzw. Bewegründen.

4. Widerstand enthält immer eine versteckte Botschaft!

a) Widerstand tritt regelmäßig auf, weil der Betroffene oder die Betroffenen:

  • die Ziele, die Hintergründe oder die Motive einer Maßnahme nicht verstanden haben (Verstehensmangel).
  • Zwar verstanden haben, worum es geht, aber sie glauben nicht, was man ihnen sagt (Vertrauensmangel).
  • verstanden haben, aber sie wollen oder können nicht mitgehen, weil sie sich von den vorgesehen Maßnahmen keine positiven Konsequenzen versprechen (Kooperationsmangel).

b)  Widerstand tritt auch auf, weil typische menschliche Bedürfnisse bedroht sind:

Widerstände und menschliche Bedürfnisse
Typische Probleme erweitert nach Zepeda (2008, S. 40 f.); Grundlegende Bedürfnisse nach Deci & Ryan (2000)

Sie planen ein Change Projekt oder stecken schon mitten drin?

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